Professorenbrauen im Winter - Sud XXVIII und XXIX
Nach langer Pause wurde die Kurienbrauerei wieder in Betrieb genommen. Einiges hat sich seit dem letzten Mal geändert. Im Steuerrecht ist für Hobbybrauer die Anmeldepflicht beim Zoll entfallen und die (nie erreichte) Freigrenze für steuerfreies Brauen zum Eigenbedarf ist von 200 auf 500 Liter pro Jahr angehoben. Ein Überraschungsbesuch vom Hauptzollamt wird uns also diesmal erspart bleiben. Schade eigentlich...
Auch die technische Ausstattung der Kuriebrauerei wurde ergänzt bzw. "renoviert": Neben einem neuen 30l-Topf für heißes Wasser zum Anschwänzen ist es vor allem der neue Kocher NEW Cromo von Polsinelli mit 9,2 kW Leistung, Magnetventil und PILOTFLAMME, der den bisherigen Kocher mit seinem störanfälligen Zündautomaten ersetzt. Dies schon mal vorweg: beide Utensilien haben ihre Feuertaufe bestanden.
Ebenfalls ungewohnt ist die Jahreszeit des Brauens: der Winter. Den Versuch, im Freien zu brauen, unternehmen wir gar nicht erst, sondern bauen die Kurienbrauerei gleich in der leergeräumten Garage auf.
Wir - das ist eine der wenigen Konstanten zum letzten Brautag im Oktober 2024: es sind wiederum die Professoren aus Paderborn (Meister) und Trier (fortgeschrittener Lehrling), die sich mit mir ans Werk machen.
Wenn alles so lange weggeräumt war, sitzen die üblichen Handgriffe nicht mehr ganz perfekt. Auch bei der Bestellung sollte man eben darauf aufpassen, das Malz "geschrotet" zu bestellen, sonst muss Mutters Getreidemühle dies trotz ihres hohen Alters mal eben für 20kg erledigen. Auch die neue Technik will erst beherrscht werden, obwohl die Zusammenarbeit zwischen dem neuen Kocher mit PILOTFLAMME und der nun schon 7 Jahre alten Brausteuerung AiO Marke Eigenbau auf Anhieb klappt. So kommt es, dass wir erst um 10.45 Uhr mit dem Einmaischen beginnen können.
Der große Sud XXVIII wird ein DOMbräu classic, der kleine Sud XXIX ein Maibock.
Der stärkere Kocher und die Windstille in der Garage helfen uns dabei, den Zeitrückstand im Laufe des Tages wieder einzuholen. Währenddessen stärken wir uns mit aus dem Saarland importierter fränkischer Linsensuppe und aus Aachen geschmuggeltem belgischen Bier.
Derart versorgt sind wir um 16.30 Uhr mit dem Würzekochen fertig. Wir füllen heiß auf die Fässer und überlassen der Natur das Abkühlen bis zum kommenden Morgen. Die Trockenhefe wird auf steriler Würze vorgezogen. Noch vor Einbruch der Nacht ist wieder alles sauber und aufgeräumt.
Das Füllen folgt bereits nach 8 Tagen Hauptgärung. Für die Kurienbrauerei ungewöhnlich. Aber das Jungbier schmeckt schon erstaunlich gut. Da die Flaschen im Vorfeld bereits sterilisiert und verschlossen wurden, fallen wieder einige Prozessschritte weg, was den Vorgang ebenso beschleunigt wie der Umstand, dass ein Drittel des DOMbräus gleich ins Fass gefüllt wurde.
Hierzu ist ausnahmsweise ein kleiner Exkurs erforderlich. Weil das Bier, das wir im vergangenen Mai in der Petrusbrauerei gebraut und abgefüllt hatten, einen Milchsäure-Stich hatte, bestand die reale Gefahr, dass es sich dieser fiese Mikroorganismus auch in den benutzten Kegs gemütlich gemacht hat und sich durch die bisher übliche Reinigung mit Spülmaschinenpulver nicht würde vertreiben lassen. Deshalb wurde diesmal erstmals mit 3% Natronlauge und anschl. Zitronensäure gearbeitet. Nicht ganz ungefährlich und etwas unheimlich für den Heimgebrauch, aber angeblich absolut tödlich für jegliche Art von mikrobiologischer Verunreinigung. Hoffentlich hilft es.








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